Evangelisch-Reformierte Kirchengemeinde Soest

 

Von Mitte Mai bis Mitte Oktober ist unsere Kirche an jedem Samstag von 11 – 12.30 Uhr für Interessierte zur Besichtigung und zum Gebet geöffnet (an jedem dritten Samstag mit Führung). Ansprechpartner/innen des ehrenamtlichen Kirchen-Teams sind vor Ort und geben gerne Auskunft zu Fragen über Kirche und Gemeinde.

Auch in den Wintermonaten besteht die Möglichkeit zur Besichtigung unserer Kirche. Zwar gibt es keine regelmäßigen Kirchenführungen, aber auf Anfrage und Verabredung wird die Kirche gerne geöffnet.

Ansprechpartnerin: Ruth Wittmer, Tel:  14002

 

 

Die Kirche Alt St. Thomae (Schiefer Turm)

Schon vor 900 n. Chr. gab es am Standort eine kleine einschiffige, rechteckige Kapelle. Der älteste Bestandteil des heutigen Kirchenbaus reicht zurück ins 12. Jahrhundert n. Chr. (romanische dreischiffige Basilika). Im Laufe des 13. Jahrhunderts wurde die Kirche in eine Hallenkirche umgebaut. Zwischen 1250/1260 bis 1320 n. Chr. wurde der gotische Chor errichtet und das südliche Seitenschiff erweitert.

In den letzten Kriegswochen, im März 1945, wurde die Kirche zerstört. In der ersten Not richtete sich die Gemeinde einen Gottesdienstraum unter dem Turm her. Später wurden Sicherungs- und Säuberungsarbeiten an Gewölbe und Wänden durchgeführt und die Fenster wieder eingesetzt. Das Langschiff der Kirche trägt aber bis heute noch Spuren der Zerstörung und mahnt die Gemeinde zum friedenserhaltenden Zeugnis der Welt. 

 

Der Schiefe Turm

Der Schiefe Turm, der der Kirche ihren Beinamen gegeben hat, stammt aus dem Jahre 1653 n. Chr. Der niedrigere gotische Vorgängerturm war Ende des Dreißigjährigen Krieges abgebrannt. Vom Baumeister Göbel Styes wurde der Turm bewusst mit dieser Neigung konstruiert, um ihn gegen die vorherrschende Südwest-Windrichtung widerstandsfähiger zu machen. Die Turmspitze neigt sich nach Westen um 2,30 m, nach Süden um 0,60 m.

Neben vielen Anekdoten, die der Soester Volksmund über die Schieflage des Turmes überliefert, hat sich auch der Dichter Ferdinand Freiligrath von der eigenwilligen Bauweise zu einem Gedicht inspirieren lassen, das er neben den schönen Bewohnerinnen Soests auch dem Domküster zu Pisa widmete. 

 

Das heutige Langschiff

Manche Besucher der Kirche meinen eine Baustelle vorzufinden. Dieser Eindruck ist nicht ungewollt. Denn in der Tat ist die Kirche Jesu Christi, die Gemeinde, eine Baustelle Gottes:  

In ihr baut unser HERR selbst an Seinem Reich in dieser Welt, auferbaut aus lebendigen Steinen die Gemeinde zu einem geistlichen Hause.  

ER auferbaut die Gemeinde zum Dienst, zur Nachfolge Jesu. Jesus wählte den Weg der Niedrigkeit, nicht der Herrschaft und Herrlichkeit.  

Eben darin ist ER auch der Baumeister dieser Kirche, deren Würde in einer anderen “Schönheit” liegt als man sie gewöhnlich vorfindet. Ihr schönster Schmuck ist die sich darin versammelnde Gemeinde.  

Die nicht abgeschlossene Wiederherstellung dieser Kirche macht deutlich, dass nicht die Restauration, sondern die stete Reformation im Sinne geistlicher Erneuerung Kennzeichen einer nach Gottes Wort reformierten Gemeinde ist.  

Die Bodenpflasterung passt sich der "Unfertigkeit" der Wände weitgehend an. Sie erinnert an Markt und öffentliche Plätze. Die Predigt geschieht öffentlich. Der Zuspruch des Evangeliums Jesu Christi wie auch sein Anspruch an uns gehören in die Welt. Wie Pilger zur Rast auf dem Markt sammelt sich die Gemeinde als wanderndes Gottesvolk zum Gottesdienst.  

Die Spuren der Zerstörung sind bleibende Mahnung daran, dass das Friedens-Zeugnis der Kirche nicht im eigenen Belieben steht, sondern Wesensmerkmal des Evangeliums ist.  

In diesem Sinne dient die auch und gerade im jetzigen Zustand der Gemeinde als gottesdienstliche Versammlungsstätte.  

Aber auch als Ort der Begegnung und Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur hat die “Kirche mit dem Schiefen Turm” in Soest einen festen Platz. Für Ausstellungen und musikalische Veranstaltungen wird sie gerne genutzt.